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28.05.2002 - Rubrik: spezial 
Im Gespräch: Brigitte Mira
  

Sie ist die Grande Dame der deutschen Film- und Fernsehwelt und wer nicht hinter dem Mond lebt, kennt Sie zumindest als Dame vom Grill. Die Rede ist von Brigitte Mira, die in Fassbinders jüngst auf DVD veröffentlichem Werk "Angst essen Seele auf" die Hauptrolle spielt. Die 1910 in Hamburg als Tochter eines russischen Pianisten geborene Schauspielerin beeindruckte das Publikum zunächst als Sängerin, bevor sie zum Theater ging. Mira spielte in 17 Filmen, bevor Fassbinder sie nach "Acht Stunden sind kein Tag" in der Rolle der Emmi in seinem Projekt mit dem Arbeitstitel "Alle Türken heißen Ali" besetzte. Von den Kritikern in Cannes gefeiert, erhielt die damals 64jährige Mira 1974 in Deutschland den Bundesfilmpreis für ihre Darstellung. 1995 wurde Brigitte Mira mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.


(Foto: Horst Urbschat & Töchter)

Nach der gelungenen DVD-Veröffentlichung fragten wir uns, was Brigitte Mira retrospektiv über diesen Titel und ihre Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder denkt. Wir staunten nicht schlecht, als wir nach kurzer Nachfrage von Frau Miras Agentur nicht nur einen schönen Gruß übermittelt bekamen, sondern auch eine Berliner Telefonnumer. Und so kam es, dass Christian Bartsch sich am 23. Mai 2002 wie Wayne und Garth vor Alice Cooper fühlte: gnadenlos unwürdig. Das Brigitte Mira bis heute nichts von ihrem Biss verloren hat, zeigte sich dann in unserem Gespräch. Um Frau Miras bekannter "Berliner Schauze" gerecht zu werden, haben wir an einigen Stellen auf eine redaktionelle Bearbeitung des Gesagten verzichtet.

DM: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie heute an "Angst essen Seele auf" zurückdenken?
Mira: Was mir bei "Angst essen Seele auf" einfällt... na, dass es eine wunderbare Zeit des Arbeitens war und ich erstaunt war über diese Vorsicht, mit der Fassbinder das alles erfasst hat, die ganze Situtation, die sich ja dann im Grunde genommen bis heute gehalten hat.

DM: Denken Sie, dass die Aussage des Films auch heute noch aktuell ist?
Mira: Ja - und ich finde die Aussage an sich toll. Ich meine, er [Fassbinder] hat ja vorausgesehen, was eigentlich erst auf uns zukam, nicht wahr? Obwohl es damals in Bayern schon ein bisschen schlimm war - manchmal. Ich meine eben wenn wir in ein Lokal wollten mit unserem Hauptdarsteller [El Hedi Ben Salem], haben uns manche nicht reingelassen. Aber das hat sich auch gegeben. Die haben gesagt: "Das Geld ist auch schön."

DM: War es für Sie damals "mutig", diese Rolle zu spielen?
Mira: Nee, das weiss ich nicht. Ich hab die gute Rolle gespielt. Mit Mut und so etwas hat das überhaupt nichts zu tun bei mir, wissen Sie?!

DM: Gab es denn negative Reaktionen auf diese Rolle?
Mira: Nee, eigentlich nur positive. Man nahm es als absolute Tatsache hin, und fand eben, dass es ein guter Film ist.

DM: Auf der DVD ist auch eine Diskussion mit Ihnen, Liselotte Eder und anderen enthalten. An einer Stelle erzählen Sie, dass die Arbeit mit Fassbinder für Sie die schönste war...
Mira: Die war das Tollste, ja! Er ist ein unerhörter Könner gewesen, der auch die Materie vollkommen beherrschte. Und was man nicht glauben wird - er war ja richtig fleissig! Wenn man sein Drehbuch gesehen hat, das stand voller Notizen und Zeichen und so weiter... also es war nicht so, dass er das hinhuschte, wie das manchmal heute noch ist. Er war ein richtiger Arbeiter. Er war schnell und toll und ganz hell im Geist. Ein toller Mann, ja! (seufzt) Ich sag ja immer wieder den alten Spruch: "Wenn er noch lebte, hätt´ ich bestimmt einen Oscar."

DM: Sie haben ja immerhin für diese Rolle unter anderem den Bundesfilmpreis bekommen...
Mira: ...und das goldene Band, ja.

DM: Wenn Sie sich heute noch einmal einen Film rauspicken dürften, von dem Sie sagen: "Das war mein Lieblingsfilm!"... Sie haben ja viele Filme mit Fassbinder gedreht...
Mira: Da würd ich schon sagen "Mutter Küsters" [Fahrt zum Himmel] oder "Angst essen Seele auf". Diese beiden sind absolute Konkurrenten bei mir.

DM: Sie haben in Ihrem Leben über 66 Filme gemacht - war die Arbeit mit Fassbinder sehr anders?
Mira: Er war eben ungehheuer schnell, wusste genau was er wollte. Ach ich hab schon tolle Regisseure dazwischen gehabt und bin auch manchen sehr dankbar, weil sie grossartig waren. Aber Fassbinder war eben ein Wunder, ein Genie.

Die Redaktion möchte sich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Frau Mira für ihre Unterstützung und Mühe bedanken.