Newsletter   RSS-Newsfeed   Wap, I-Mode & PDA   Gewinnspiel  Impressum  Werbung  Online Hilfe  119 Leser online

Home
Startseite
 
DVD
News
Artikel
Reviews
Filmkritiken
DVD Special

Preisvergleich

  
Games
News+Reviews
 
Heimkino
Heimkinos
FAQ & Tipps
  
Community
Newsletter
Gewinnspiel
Flohmarkt
Surflinks
 
Redaktion
Impressum
Werbung
 
   
18.11.2003 - Rubrik: spezial 
Die Macher von X2 im Interview
  

Gerade ist "X-Men 2" als vollgepacktes Doppel-DVD-Set erschienen. Wir haben uns gefragt, wie es wohl hinter den Kulissen aussieht und dazu mit Produzent Ralph Winter (Hackers, Star Trek 3-6, Planet der Affen, X-Men) und Visual Effects Supervisor Mike Fink (Braveheart, Mars Attacks! Eraser, X-Men) gesprochen.

DM: Herr Fink, Herr Winter, wir freuen uns, dass Sie sich Zeit genommen haben, um uns ein paar Fragen zu beantworten. Ich denke, unsere Leser können sich ungefähr vorstellen, was ein Visual Effects Supervisor macht. Wir werden jedoch immer wieder gefragt, was eigentlich ein Produzent macht. Herr Winter, können Sie uns erzählen, was Ihre Aufgaben bei diesem Film waren?

Winter: Als Produzent habe ich mich um den täglichen Ablauf gekümmert, vor allen Dingen die Vorbereitung. Darüber hinaus obliegt mir eine finanzielle Verantwortung, dass das Geld korrekt, also für sinnvolle Dinge ausgegeben wird. Bei X-Men 2 war ich teilweise auch an der Entstehung des Drehbuchs beteiligt, wobei ich anmerken muss, dass Bryan Singer sich da nichts aus der Hand nehmen lässt. Lauren Schuler Donner, die andere Produzentin, hat sich bei diesem Titel z.B. verstärkt um das Casting gekümmert. Ansonsten haben wir uns die weiteren Aufgaben täglich geteilt. Es ist eigentlich ein ständiges Hin und Her, und manchmal hat man nur die Chance, einfach nach der "Divide & Conquer"-Methode vorzugehen. Man löst dabei Probleme, indem man große Probleme in viele kleine Probleme zerlegt, diese löst und dann die Einzelergebnisse zu einem Ganzen formt. Die Filme sind heute dermaßen groß geworden, anders geht das gar nicht mehr.

DM: Hatte Bryan Singer eigentlich Final Cut bei diesem Film?

Winter: Nein, das Studio. Es ist sehr selten, dass ein Regisseur wirklich den Final Cut bekommt. So ein Studio investiert 100 Millionen US Dollar oder mehr, also... [lacht] ja, behalten sie sich das Recht auf den Final Cut vor.

DM: Sind Sie mit dem Film, wie er jetzt ist, zufrieden?

Winter: Ich bin mit dem Film, so wie er jetzt ist, eigentlich recht zufrieden.

Fink: Aus meiner Sicht stellt sich das ein bisschen anders dar. Jeder Film hat Stellen, die ich ändern würde. Ich kann Ihnen jetzt nicht aufzählen, welchen Einstellungen das im Detail sind, aber ich denke, ich hätte gerne mehr Zeit für meine Arbeit gehabt.

DM: Gibt es eigentlich eine Art Rahmenhandlung für die X-Men Filme? Gibt es eine Trilogie, oder wird es vielleicht sogar mehr Nachfolger geben?

Winter: Bryan hat mal gesagt, dass wenn das eine Trilogie wird, sich der dritte Teil dann, noch mehr als der zweite, um Wolverines Geschichte drehen würde. Der erste Film hat ja erst die Basis geschaffen; er hat die X-Men, die Charaktere, die Welt und ihre Regeln vorgestellt. Beim zweiten Teil konnten wir jetzt tiefer in die Geschichte eintauchen - sie kennen ja bereits die grundlegenden Dinge. Also erfahren wir mehr von Wolverine und seiner Vergangenheit, was ihn motiviert und warum er so ist, wie er ist. Das ist also die generelle Chance, die man bei einem zweiten Teil hat. Man kann tiefer in die Handlung vorstoßen, weil nicht mehr so viel erklärt werden muss. Ich weiß jetzt nicht genau, was Bryan für einen dritten Teil alles geplant hat, aber er würde schon sehr gerne eine Trilogie machen und Licht in das Dunkel der Vergangenheit von Wolverine bringen...

Fink: ...Bryan wollte immer, dass die Geschichte durch die Motivation der Charaktere bestimmt wird. Wenn es also eine Rahmenhandlung gibt, dann ist es genau das, was die Filme zusammenhält.

DM: Es hat ja schon eine ganze Reihe von Comic-Umsetzungen auf der Leinwand gegeben. Was unterscheidet die X-Men von anderen Comic-Verfilmungen?

Fink: Bryan Singer sieht in den Figuren echte Persönlichkeiten, die andere Regisseure eventuell vernachlässigen würden. Dadurch werden nicht nur die Figuren, sondern auch die Handlung lebendig. Genau dadurch setzt sich dieser Film von anderen, eher platten, Umsetzungen ab.

Winter: Um auf Ihre Frage zurückzukommen... ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass es eine ganze Menge Aspekte gibt, die X-Men 2 von anderen Comicadaptionen abgrenzen. Wir waren quasi die ersten, die eine Tür geöffnet haben, für ein ganzes Genre. Spiderman hat dann genau diese Richtung eingeschlagen und die Tür noch weiter aufgemacht. Was Bryans Vision so erfolgreich macht, ist die Tatsache, dass die Mutanten glaubwürdig werden. Man hat das Gefühl: "Ja, sie könnten wirklich unter uns sein... " Wir zeigen also nicht irgendeine Zukunftsvision von morgen, sondern die Welt von heute. Und damit wird der Film auch für Leute zugänglich, die keine Fans von Comics sind. Und damit lässt sich sicherlich auch der Erfolg erklären.

DM: Basiert der Film eigentlich auf bestimmten, speziellen Ausgaben der Vorlage als Comic oder ist die Geschichte eher frei und losgelöst?

Winter: Nun, die Geschichte ist nicht komplett "anders" und das ist auch wichtig bei Projekten dieser Größe, gerade aus der Sicht eines Filmemachers. Wir müssen eine Geschichte erzählen, die die Kernzielgruppe anspricht. Wir haben Leute im Team, die sich wirklich mit den Figuren, den Geschichten, eigentlich allem rund um die X-Men Comics auskennen. Wenn Sie sich den Film anschauen, dann gibt es eine Szene in einer Bar mit einer Diskussion, die auf einem Fernseher sichtbar ist. Fans der Comics werden hier viel mehr Informationen rauslösen können und Zusammenhänge verstehen. Für den "normalen" Zuschauer ist diese Information eher ohne Belang. Es gibt also eine Art versteckten Mehrwert, den X-Men Fans erkennen werden. Als Filmemacher wollen wir also sowohl die breite Masse, als auch die wirklichen Experten der Comics gut unterhalten.

DM: Wurde viel gegenüber der Comicvorlage geändert?

Fink: Bryan Singer und der Rest der Crew haben alles daran gesetzt, der Comicvorlage gerecht zu werden. Bei einigen Darstellern manifestieren sich ihre Fähigkeiten anders, als sich das die Leser der Comics vielleicht vorgestellt haben. Insgesamt wurde aber immer drauf geachtet, die Aussage der Comics zu transportieren.

DM: Gibt es spezielle Dinge, die die Filmcharaktere tun können, die nicht in den Comics auftauchen?

Winter: Nein, es ist sogar eher genau andersherum. Es ist wesentlich einfacher, einen Charakter wie Storm im Comic fliegen zu lassen, als das auf der Leinwand zu machen. Was wir besser können ist, den Figuren wirklich Leben einzuhauchen, z.B. mit Darstellern wie Halle Berry oder Ian McKellen - es ist also ein Geben und ein Nehmen. Interessant ist übrigens, dass wenn Sie die Comics vor und nach dem ersten Film vergleichen, dann finden Sie Dinge, die aus dem Film in das Comic übernommen wurden.

DM: Gab es etwas, das Sie gerne im Film gehabt hätten und das letztendlich nicht funktioniert hat?

Fink: Wir wollten eigentlich Beast und Angel in jedem Film haben, aber da hat uns leider das Budget einen Strich durch die Rechnung gemacht. Erschwerend kommt hinzu, dass mehr Figuren auch einfach mehr Zeit brauchen, um eine Geschichte zu erzählen. Wir haben daher beschlossen, Beast und Angel eventuell erst in einem der kommenden Filme zu etablieren.

Winter: Außerdem hatten wir hatten ja schon rund ein Dutzend etablierte Figuren aus X-Men 1, zu denen wir noch fünf oder sechs hinzugenommen haben. Durch Figuren wie Beast oder auch Angel wäre die Geschichte schnell sehr kompliziert geworden. Eine Figur wie Angel kostet mehr Geld in der Produktion, weil sie z.B. fliegen kann. Das erfordert wieder mehr Wendungen in der Geschichte und kostet eben weiteres Geld für aufwändige Effekte. Beast hat ein sehr kompliziertes MakeUp, was ungefähr sechs bis acht Stunden pro Tag benötigt, um aufgelegt zu werden. Jedes Mal wenn Sie eine Figur hinzufügen, fügen Sie auch eine weitere Ebene an Komplexität hinzu, was insgesamt dann plötzlich 10 oder 20 Prozent mehr Arbeit für den ganzen Film darstellt.

DM: Wir haben ein wenig in der Internet Movie Database recherchiert und für 2006 einen weiteren Teil von X-Men mit Status "in progress" gefunden. Werden wir in diesem dritten Teil einige neue, eventuell auch die gerade angesprochenen Figuren, kennen lernen?

Winter: Möglich. Wir haben uns allerdings noch nicht definitiv darüber unterhalten. Ich denke schon, dass wir im nächsten Film natürlich neue Figuren vorstellen möchten. Ich kann Ihnen dazu aber noch nichts verraten. Nicht weil ich es nicht dürfte oder wollte, sondern ich weiß es schlicht und einfach nicht [lacht].

DM: Wird Bryan Singer beim dritten Teil eigentlich wieder im Regiestuhl sitzen?

Winter: Ich denke, wir alle würden Brian wieder liebend gerne als Regisseur dabei haben. Es macht auch eigentlich keinen Sinn, daran etwas zu ändern.

DM: Bryan Singer hat in einem Interview gesagt, X2 wäre der definitive Mutanten-Film. Stimmen Sie ihm zu?

Fink: Ja, denn im ersten Film war viel Character-Development nötig, um die Figuren, ihre Vergangenheit und ihre Motivationen vorzustellen. Bei dem zweiten Teil war das nicht mehr vonnöten. Außerdem hatten wir bei diesem Film ein größeres Budget und mehr Möglichkeiten, nun in die Details einer jeden Figur einzutauchen.

DM: Herr Winter, Sie haben ja schon an Filmen wie "Planet der Affen" oder auch "Star Trek 3 - 6" gearbeitet. Was war neu oder anders bei "X-Men 2" bzw. was hat Ihnen besonders gut oder gar nicht gefallen?

Winter: Nun, das Team, die Figuren und die Darsteller sind großartig. Viele der Mitarbeiter sind bereits bei dem ersten Film dabei gewesen. Das macht die Arbeit sehr angenehm. Jeder Film bietet natürlich spezielle Herausforderungen. Die X-Men haben außergewöhnliche Fähigkeiten. Diese zu kombinieren und umzusetzen ist nicht leicht. Dazu kommt die schwere Aufgabe, Objekte am Set bereits zu manipulieren, wie Autos oder Wände. Zerstörung im Allgemeinen, Eis und Schnee - das sind schwierige Herausforderungen, besonders wenn später noch Spezialeffekte dazukommen. Der Schnee war für uns eine ganz spezielle Aufgabe, da wir dort, wo wir ihn eigentlich haben wollten, keinen Schnee vorgefunden haben. Wir haben in den kanadischen Rockies gedreht und obwohl es schneien sollte, hat es einfach nicht geschneit. Also haben wir unseren Schnee letztendlich selber gemacht. Wenn man Filme macht, muss man auf viele verrückte Dinge gefasst sein und manchmal noch verrücktere Dinge tun, wie z.B. Wettergott spielen. Wir haben immerhin einen Drehplan und der will natürlich eingehalten werden. Letztendlich hat es dann geschneit, aber leider zu spät für uns.

DM: Herr Fink, was war die Szene, die in der Postproduction am schwierigsten umzusetzen war?

Fink: Nun, es gibt am Schluss die Szene mit Jean Grey und dieser riesigen Flutwelle. So große Wassermassen sind sehr aufwändig zu realisieren - und wie immer ist die Zeit sehr sehr knapp gewesen.

DM: Wenn Sie sich die DVD anschauen, die ja wirklich schon fast das technisch Machbare aus dem Medium herausholt, dann gibt es nur noch sehr wenig Spielraum für Verbesserungen. Wenn es nun an Ihnen wäre, das nachfolgende Medium für das Heimkino zu entwickeln, den Nachfolger von DVD, wie sollte dieser Nachfolger aussehen?

Fink: Ich fände es großartig, wenn Filme in HDTV Auflösung angeboten würden. Leider ist der Markt noch sehr klein, aber eventuell traut sich ja ein Studio, die Chance zu ergreifen...

Winter: Wir haben das Material als hoch aufgelöstes Kameranegativ vorliegen, wir können also jederzeit auf ein neues Format wie HTDV umsteigen und es wäre sicherlich ziemlich abgefahren, genau das zu machen. Dazu wird es auch sicherlich kommen, wenn der Platz auf dem Medium sich vervielfacht und die Möglichkeiten der Wiedergabe auf dem Fernseher gegeben sind. Momentan reizen wir das Format erstmal richtig aus, wir versuchen so viel wie möglich aus der DVD herauszuholen. Der technische Standard ist mittlerweile sehr hoch und das Bonusmaterial ist sicherlich für jeden Fan und Sammler eine wahre Fundgrube.

DM: Was denken Sie ist wichtiger - eine hochaufgelöste HDTV DVD oder eine DVD mit tonnenweise Bonusmaterial?

Winter: Ich denke das Bonusmaterial ist wichtiger. Ab einem gewissen Punkt wird natürlich HDTV kommen und man wird alles für HD-Technik erweitern, wie HD Recorder und HD Fernseher, aber das dauert ganz sicher noch ein paar Jahre. Letztendlich sind es der Film und das Bonusmaterial, weshalb die Fans die Scheibe kaufen. Und da spielt eine gute Geschichte eine wesentlich größere Rolle, als die Technik an sich.

Fink:HD, wie gesagt. Um ehrlich zu sein sehe ich mir eigentlich nur den Film selbst an. Bonusmaterial, wie z.B. Making Ofs, schaue ich mir eigentlich nur an, wenn ich für andere Dinge etwas recherchieren möchte. Eventuell bin ich da aber auch der falsche Ansprechpartner.

DM: Herr Fink, Herr Winter, vielen Dank für das Gespräch.

Wir bedanken uns bei Twentieth Century Fox Home Entertainment für die freundliche Unterstützung bei der Durchführung dieses Interviews.