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02.08.2001 - Rubrik: spezial 
Zu Besuch bei Steve Cantos
  

Wer sich eine Wohnung mit einer Adresse auf der "Avenue of the Stars" in Beverly Hills bei Los Angeles leisten kann, der hat es zu etwas gebracht. Wer sich jedoch aufmacht, jemanden namens Steve Cantos an der "Avenue of the Stars" mit der wohlklingenden Hausnummer 2121 zu besuchen, der beginnt schon auf dem Weg zu staunen.




"Ist das nicht...?!" - Ja, es ist! Hinter dieser Adresse verbirgt sich der "Nakatomi Plaza", so zumindest heißt der imposante Wolkenkratzer in "Stirb Langsam" mit Bruce Willis. Tatsächlich ist "2121, Avenue of the Stars" das Hauptquartier der Twentieth Century Fox Film Corporation und heißt daher korrekt auch "Fox Plaza". Hier residieren alle Abteilungen inklusive der riesigen Studios, in denen schon so etliche der produzierten Filme entstanden sind.

Steve Cantos, seines Zeichens Vice President Operations International von Twentieth Century Fox Home Entertainment, ist verantwortlich für alle internationalen Veröffentlichungen des Filmgiganten. Digital-Movie.de Chefredakteur Christian Bartsch besuchte den sympatischen Macher hinter den Kulissen - im fünften Stockwerk mit wundervollem Blick über das komplette Studio.


DM: Guten Tag Herr Cantos. Schön, dass wir einmal vorbeikommen durften. Was macht ein Steve Cantos eigentlich genau bei TCFHE?

Cantos: Nun, das ist ein sich ständig verändernder Prozess. Ich bin seit sechs Jahren hier und niemals war die Arbeit irgendwie gleich. Momentan würde ich meinen Job jedoch als Schnittstelle zwischen den einzelnen Abteilungen bezeichnen, die letztlich für das fertige DLT verantwortlich sind (Ausgangsmaster für die DVD-Vervielfältigung, Anm. der Red.).


Dazu gehört z.B. auch das Marketing. Bei mir laufen all diese Einzelkomponenten zusammen, aus denen dann letztendlich das DLT entsteht, wovon zunächst dann sogenannte CheckDiscs hergestellt werden. Diese werden dann geprüft und beurteilt, bevor wir zur Vervielfältigung übergehen. Ich arbeite generell auch viel mit Leuten im Ausland zusammen und kümmere mich um den Vertrieb und die Vervielfältigung. So insgesamt gesehen habe ich also überall meine Finger im Spiel.

DM:
Wenn man das alles so hört - wie sind Sie zu Ihrem heutigen Job gekommen? Brauchten Sie dazu eine spezielle Ausbildung?

Cantos: Nein, es gab auch gar keine richtige Schule für sowas. Als die DVD am Horizont als etwas, das in Zukunft wichtig sein könnte, erschien - das war vor fünf oder sechs Jahren - fragte man mich, ob ich mich nicht mit dem Produktionsprozess vertraut machen wolle. Noch bevor das Studio überhaupt entschieden hatte, mit diesem neuen Format zu arbeiten wurde ich gefragt, ob ich mich nicht mit Leuten unterhalten wolle, die Authoring und Kompression durchführten. Das war noch bevor jeder wusste, worum es dabei ungefähr ging. Ich wurde nach Japan, Taiwan und Hong Kong geschickt, um mich mit den Leuten bei den Presswerken zu unterhalten und zu verstehen, wie der gesamte Prozess funktioniert. Als as Thema DVD dann für das Studio akut wurde, waren meine Abteilung und ich schon bereit. Ich bin heute sehr dankbar dafür, dass man mir damals diese Chance gegeben hat.

DM: Wenn Sie sich einmal die vielen Dinge betrachten, die eine DVD gegenüber der VHS Cassette bietet - hat die DVD etwas daran geändert, wie Filme gemacht werden?

Cantos: Wenn Sie das aus der Sicht des Studios betrachten, dann sicher nicht. Wenn Sie hingegen mit Regisseuren sprechen, gerade mit denjenigen, die DVD und ihre Möglichkeiten kennen, und wissen, dass das breite Publikum den Film eher auf DVD oder Video im Gegensatz zum Kino sieht, dann sehen sie die DVD als "zweite Chance" für den Film. So werden manche Szenen im Film für das Kino aus Zeitgründen geschnitten und erscheinen dann "wiederbelebt" als Zusatz auf der DVD. Dabei können sie dann entweder in den Film eingeschnitten werden oder man veröffentlicht sie als gelöschte Szenen. Gerade in den Kommentar-Tracks hört man oftmals, dass der Regisseur bereits beim Dreh einer Szene darüber nachdenkt, sie eventuell für das Kino zu streichen, sie aber dann wieder auf DVD zu integrieren. Es macht den Regisseuren so gesehen nicht nur Spaß sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit, die ganzen Hintergründe zu dokumentieren. Angefangen beim Produktionsprozess über das Drehbuch bis hin zur Arbeit mit den Darstellern. Viele der Regisseure arbeiten dafür mittlerweile sogar mit einem zusätzlichen Team, das die sogenannte B-Roll erstellt und sie bei den Dreharbeiten begleitet. Eine Menge von diesem Material erscheint heutzutage auf der DVD. So gesehen übt die DVD also schon einen gewissen Einfluß auf den Dreh aus.

DM: Ich sehe hinter Ihnen zwei Bücher stehen, die sich die "DVD Bibel" nennen. Was hat es damit auf sich?



Cantos: [lacht] Ja, das sind unsere internen Bücher, die alle Informationen zu jedem Titel enthalten, den wir jemals produziert haben. Wenn Sie möchten, können wir uns später einmal eins dieser Datenblätter ansehen. Wir verwenden einen Ablauf, den wir über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren hier in Los Angeles und rund um den Globus entwickelt haben. Darin ist alles festgelegt, bis zum Erscheinen des Titels in den Regalen. Wir haben dabei die harte Schule der Erfahrung durchlaufen und festgestellt, dass eine Menge Planung sowie dutzende von Prüfungen des Materials vor Produktionsbeginn nötig sind. Der Ablauf selber ist schrecklich kompliziert - tatsächlich werden manchen Kinder schneller gezeugt und zur Welt gebracht, als wir brauchten, um eine DVD auf den Markt zu bringen. Dies zu erkennen und alle Schritte genauestens festzulegen war sehr wichtig für uns. Seitdem wir uns an diesen Ablauf halten, haben wir nicht einen einzigen Veröffentlichungstermin verpasst - und das über einen Zeitraum von immerhin knapp einem Jahr.


DM: Werden alle DVDs, inklusive der europäischen, hier gefertigt oder gibt es einen weiteren Ort, an dem Sie Ihre Projekte umsetzen?

Cantos: Die gesamte Weltproduktion wird hier in Los Angeles hergestellt. Dabei werden die jeweiligen Fassungen für ein bestimmtes Land vor Ort vorbereitet. Wir fangen hier an und sobald feststeht, was der Zuschauer später auf der DVD geboten bekommt, schicken wir diese Information und das Rohmaterial an unsere Studios bzw. Niederlassungen in den einzelnen Ländern.


Es handelt sich dabei zumeist um um ein gemeinsames Master, mit dem alle arbeiten. Anhand dieses Masters werden dann die Untertitel und die entsprechende Synchronisation überprüft und freigegeben. Dazu gehört auch, dass entsprechende Menüs auf Grundlage der englischen Version lokalisiert werden, also übersetzt werden. Sobald diese Freigaben auf lokaler Ebene erfolgt sind und alles Material bereit ist, geht alles wieder zurück nach Los Angeles. Hier in L.A. sind wir dann für die Herstellung des DLTs verantwortlich. Dann stellen wir die schon erwähnten Checkdiscs her, die dann wieder für eine Freigabe an die einzelnen Niederlassungen gehen. Dazu kommt unsere eigene interne Abteilung für Qualitätssicherung in Los Angeles. Sobald alle zugestimmt haben und das Produkt einwandfrei ist, starten wir letztendlich die Vervielfältigung. Die Auslieferung an die jeweilige Niederlassung erfolgt dann im besten Falle bereits zwei Monate vor dem Veröffentlichungstermin. Wir haben allerdings auch schon Fälle gehabt, in denen die Discs erst zehn Tage vor dem offiziellen VÖ geliefert werden konnten. Das ist knapp, denn falls wir noch später dran wären, bekämen wir böse Probleme mit unserem Veröffentlichungstermin. Es dauert nämlich im Normalfall zwei bis drei Wochen, bis die Ware aus dem jeweiligen Zentrallager an alle Händler verteilt wurde. In meine Verantwortung fällt dabei der weltweite DVD-Markt, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten.


DM: Das mag jetzt eine, nun, recht unangenehme Frage sein, aber es gab das letztes Jahr ein paar Probleme mit "Aliens"...

Cantos: "Aliens", ja... hier haben wir die bittere Erfahrung gemacht, dass auf lokaler Ebene verschiedene Fassungen von ein und demselben Film existieren können, die von unserer Version hier in den Staaten abweichen. Das können nur ein paar Frames, eine zusätzliche Szene, oder völlig andere Dinge sein. Wir haben bei "Aliens" das Problem gehabt, dass es eine leicht unterschiedliche Fassung gab und der deutsche Ton an einigen Stellen nicht zum Bild passte, also asynchron war. Leider führten einige Umstände bei diesem Titel dazu, dass wir unter Druck arbeiten mussten und leider nicht die Möglichkeit hatten, unsere Qualitätskontrolle so umfangreich durchzuführen, wie wir es vor der Veröffentlichung gerne getan hätten. Als wir herausgefunden haben, dass es ein Synchronproblem bei diesem Titel gab - die Scheibe war längst veröffentlicht - war das natürlich eine sehr unangenehme Situation für das Studio. Wir brauchten vier Wochen um das Problem zu beheben. Als dies geschehen war, haben wir direkt eine neue Auflage pressen lassen. Danach haben wir Händlern und Kunden angeboten, die defekten Discs kostenlos gegen diese Neuauflage auszutauschen.

DM: Ist es nicht schrecklich aufwendig, einen Fehler bei einer DVD zu korrigieren? Muss man da nicht wieder komplett von vorn beginnen?

Cantos: In diesem speziellen Fall mussten wir tatsächlich bis zum deutschen Ausgangsmaterial im Ton zurückgehen und den Ton neu synchron zum Bild anlegen. Wir haben dazu meinen deutschen Kollegen Peter Lindorfer einfliegen lassen und auch sehr eng mit THX zusammengearbeitet, um sicherzugehen, dass auch dort alle mit der neuen Fassung zufrieden waren. Als alle Bteiligten ihr Okay gegeben haben, fertigten wir einen neuen Stream an und produzierten ein neues DLT und neue Checkdiscs. Als dann wiederum hier alle zufrieden waren, haben wir die neue Auflage herstellen lassen. In diesem Zuge haben wir dann auch alle noch nicht verkauften Einheiten ausgetauscht. So ein Austausch geht auf der Kostenseite sehr schnell in die Zehntausende und hat das Studio sicherlich hart getroffen. Aber wir waren entschlossen, diesen Fehler zu korrigieren, schließlich war das Produkt in der vorherigen Form nicht zufriedenstellend.




DM: Wo fängt Fox an und wer entscheidet, welche Titel auf DVD erscheinen? Alle aktuellen Kinotitel kommen selbstverständlich irgendwann auf DVD raus - aber wer entscheidet über die Neuveröffentlichung von altem Material?

Cantos: Nun, die neuen Titel werden wie von Ihnen angesprochen entsprechend der Verwertungskette (Kino, Verleih, Kauf; Anm. d. Red.) behandelt. Um Katalogtitel hingegen kümmert sich die Marketingabteilung. Dabei versuchen wir natürlich, uns ein wenig zu orientieren - z.B. an der Saison. Um den Valentinstag herum werden wir etwas in Richtung romantischer Komödien probieren, während wir z.B. beim aktuellen Release von "Pearl Harbour" einige ältere Kriegsfilme, speziell "Tora! Tora! Tora!", veröffentlicht haben. Das passt natürlich gut zur ganzen Aufregung um "Pearl Harbour". Es gibt auch gewisse Ähnlichkeiten zwischen den Filmen - "Tora! Tora! Tora!" hat die gleiche Geschichte, wenn man die

romantischen Aspekte außen vor läßt. Die Kino-Veröffentlichung war also eine günstige Gelegenheit, diesen Film zu vermarkten. Wir versuchen das natürlich bei so vielen Titeln wie möglich zu erreichen. Die Marketingabteilung verbringt viel Zeit damit, das beste Timing für jeden Katalogtitel herauszufinden.


DM: Wer verwaltet eigentlich die verschiednen Versionen eines Titels? Nehmen wir als Beispiel einmal die "Rocky Horror Picture Show". Die amerikanische Fassung hat ja ein ganz anderes Ende (der Song Superheroes am Ende fehlt; Anm. d. Red.) als die europäische Version...

Cantos: Es gibt da detailierte Informationen zu jedem Film, die genau festhalten, welche Versionen existieren. Wir arbeiten da sehr eng zusammen und beauftragen manchmal auch externe Produzenten, die einen regen Kontakt mit dem Studio und der Produktionsfirma pflegen. Ihre Aufgabe ist es, festzustellen, wie die bestmögliche Veröffentlichung auf DVD letztendlich aussehen sollte. Wir versuchen dabei natürlich, dem Zuschauer etwas zu zeigen, was er vorher noch nicht gesehen hat - gerade wenn es die Titel schon auf DVD oder sogar auf Laserdisc gibt. Hier haben wir die Möglichkeit, noch tiefer ins Archiv zu gehen und Material zu finden, das vorher noch nie veröffentlicht wurde.


Sie haben gerade das "Superheroes"-Ende von Rocky Horror angesprochen und ich glaube nicht, dass dieses Ende vorher jemals in den Vereinigten Staaten zu sehen war. International war das nichts neues, aber wir haben natürlich versucht, diese Fassung als Basis für die internationale Veröffentlichung zu benutzen. Wir möchten international gesehen so nah wie möglich an die Ausstattung der amerikanischen DVD herankommen, sofern dies lizenzrechtlich machbar ist. Das wirklich spannende an der ganzen Aufgabe ist es, etwas zu finden, was der Kunde vorher noch auf keinem anderen Medium gesehen hat.


DM: Wie entstehen dann letztendlich doch die Unterschiede bei Inhalt und / oder Verpackung? Wenn wir wieder Rocky Horror als Beispiel nehmen: bei der deutschen Fassung fehlt der original Monoton (der ja von den Fans schon sehnsüchtig erwartet wurde) und auch die Verpackung ist anders. In Europa wurde ein Amaray-Case benutzt, während die amerikanische Ausgabe einen aufwändig gestalteten Pappschuber mit Booklet und DigiPack zu bieten hat.

Cantos: In Anbetracht des Bonusmaterials - bei "Rocky Horror" konnten wir immerhin alles bis auf den Monotrack übernehmen - müssen wir manchmal Abstriche machen, weil wir neue Tonspuren bei den internationalen Fassungen hinzufügen. Wir müssen also einen Kompromiss finden, was wir von der amerikanischen Version übernehmen und was nicht. An oberster Stelle steht bei uns die Bildqualität. Wenn wir also Bonusmaterial mit auf eine Scheibe packen, dann muss das Verhältnis stimmen. Wir würden niemals Tonnen an Bonusmaterial mit auf die DVD packen, wenn wir dafür die Bildqualität ruinieren müssten. Wir überlegen uns sehr genau, was wir als Beigabe mit auf die DVD packen, da ja noch die Menüdaten, Unttertitel und Tonspuren in den verschiedenen Sprachen mit auf eine internationale DVD passen müssen. Dabei muss der Hauptfilm so gut wie eben möglich präsentiert werden. Was die Verpackung angeht, ist das ein ganz anderes Thema und auch recht schwierig für mich zu beantworten. Zunächst verkaufen wir außerhalb von Amerika ganz andere Stückzahlen - nämlich weniger als auf unserem lokalen Markt. Ein anderer Punkt ist die Weiterverarbeitung, bei der eine automatisierte Verpackung eine Rolle spielen kann. Wenn wir eine Sonderverpackung machen, wird beim Ein- und Auspacken Handarbeit nötig. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Aber das Geld spielt natürlich die größere Rolle. Nur wenn der Titel wirklich ein Massenartikel ist, bei dem wir gewisse Absatzzahlen erwarten können, wird eine Sonderverpackung überhaupt erst möglich. Wenn es sich jedoch um einen möglicherweise schwierigen Titel mit eingeschränktem Potential, wie eben "Rocky Horror", handelt, müssen wir Entscheidungen treffen, die sich für das Studio plausibel darstellen und trotzdem den Konsumenten ansprechen.



DM: Welchen Grund gibt es dann, das Aussehen einer Verpackung zu ändern? Die "Alien" Box hat in der amerikanischen Auflage eine Reliefprägung mit Silberdruck, während die europäische Variante eben nur normal gedruckt war.

Cantos: Dafür gibt es ebenfalls verschiedenste Gründe. Zum einen wollen wir unsere Titel an der Verpackung unterscheiden können. Dies ist deshalb nötig, da manchmal Importe auftauchen, die nicht lizenziert sind. Es gibt aber auch eine andere Mentalität, wenn man sich das Marketing hier und international im Vergleich ansieht. Das hat dann viel damit zu tun, was die jeweilige Abteilung als adäquat und ansprechend ansieht. Manchmal ist man gleicher Auffassung, manchmal aber auch eben nicht. Wenn Sie unsere Abteilung fragen, wird man Ihnen wahrscheinlich sagen, dass man die internationale Verpackung schöner findet, aber das ist wohl auch stark meinungsabhängig.


DM: Wenn wir mal ganz offen fragen... was halten Sie von Leuten, die auf Importe schwören, weil sie nun einmal das "Original", die möglichst authentische Fassung haben möchten? Das liegt sicherlich auch an den Schnittauflagen, durch die manche Titel in Deutschland nur gekürzt erscheinen können, wenn sie nicht z.B. indiziert werden sollen.

Cantos:
Nun, es wäre natürlich schön, wenn wir uns nicht mit dieser Problematik befassen müssten. Wir wissen natürlich, dass das einfach ein Teil des ganzen DVD Geschäfts ist. Für uns ist das aber auch ein Ansporn, jedes Mal mit einer internationalen Veröffentlichung so nah wie möglich an das Original heran zu kommen. Dazu gehört auch, dass wir versuchen, den Veröffentlichungstermin abzugleichen. All das würde natürlich die Nachfrage nach Importen minimieren. Momentan ist das nichts, über das wir spürbar die Kontrolle haben - wir freuen uns andererseits aber auch, dass unsere Produkte weltweit gekauft werden. Für meine Abteilung und mich ist es dennoch oberste Priorität, dem internationalen Kunden gar keinen Anlass zu geben, eine Import-DVD kaufen zu wollen. Wir geben uns daher große Mühe, wirklich alles zu lokalisieren. Das fängt bei den Menüs an und geht über die Untertitel bis hin zur Verpackung. Letzendlich sind wir froh, wenn der Kunde unser Produkt kaufen möchte, ganz gleich ob es sich dabei um einen Import oder eine offizielle Version für das jeweilige Land handelt. Wobei uns letztere Variante wie gesagt am liebsten ist. [schmunzelt]





DM: Wir glauben, dass die Aktionen, bei denen andere Hersteller Importhändler verklagt haben, sowieso völlig unnötig waren. Wir bekommen viele eMails zu diesem Thema und offen gesprochen: wer bitteschön kann nun wirklich so fließend Englisch, dass er ausschließlich zu amerikanischen Titel greift. Wir halten die Zahl dieser, nennen wir sie einmal Hardcore-Fans, für sehr klein. Ein Gegenbeispiel für eine sogar größere Ausstattung ist ja z.B. "Braveheart", der in der amerikanischen Auflage nur eine Disc hat und bei uns sogar auf zwei Scheiben daherkommt.

Cantos: Ja. Wie Sie vielleicht gesehen haben, gehört dieser Titel in den USA Paramount und nicht Fox. Wir haben uns daher sehr große Mühe gegeben, den Hauptfilm in bestmöglicher Qualität zu präsentieren. Es ist ein sehr langer und schöner Film, dem wir soviel Platz wie nur möglich auf der DVD geben wollten. In Anbetracht der Tatsache, dass wir noch zusätzliche Sprachfassungen und

den Kommentar unterbringen mussten, war das mit dem Making Of eine Entscheidung zugunsten des Films. Natürlich hätte das Making Of noch mit auf die Haupt-DVD gepasst, keine Frage. Aber wir haben uns halt für die Qualität des Hauptfilms entschieden. Die 30 Minuten für das Making Of wurden daher auf einer zweiten Disc untergebracht. Der Qualitätsunterschied wäre noch nicht einmal so gravierend gewesen, um ehrlich zu sein, hätten ihn die meisten Zuschauer wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Aber es war die richtige Entscheidung für diesen Film!


DM: Wo wir gerade dabei sind - warum erscheint "Braveheart" hier in den Staaten von Paramount? Wie kommt so eine Konstellation zustande?

Cantos: Oh, da müssen wir zurück bis auf die Planungsebene des Films hier beim Studio. Noch bevor man überhaupt anfängt, wird das finanzielle Risiko ausgelotet. Wenn man feststellt, dass das Risiko für ein Studio alleine zu hoch ist, holt man sich Rückendeckung von einem anderen Studio, wie in diesem Falle von Paramount. Das passiert bei einer Reihe von Filmen, die bekanntesten sind aber wahrscheinlich "Titanic" und "Braveheart". Wenn man sich auf diese Weise Kosten teilt, dann werden die Rechte an dem Film natürlich auch aufgeteilt. In den beiden angesprochenen Fällen hat Fox die internationalen Verwertungsrechte für Kino und Heimbereich erhalten, während Paramount den amerikanischen Markt bedient. Diese Entscheidungen werden aber wie gesagt, sehr früh getroffen und wir versuchen natürlich, für eine Auswertung auf DVD eng mit Paramount zusammenzuarbeiten. Wir haben den Titel in den Staaten und international zur gleichen Zeit herausgebracht. Es ist zwar insgesamt ein wenig schwieriger, aber wir haben es geschafft.

DM: Wenn wir mal von den großen Major-Titeln, wie eben "Titanic", zu den X Akten kommen. Das dürfte ja ein reines Fan-Produkt sein. Wenn man hier nachrechnet, müssen ja sieben einzelne DVDs hergestellt werden, wobei das Produkt aber nur den vier- oder fünfachen Preis einer DVD kostet. Zahlt sich das wirklich aus?!

Cantos: Das ist eine sehr gute Frage. Es gab Zeiten in der frühen Phase der DVD, wo ein Box-Set wie "Akte X" nicht möglich gewesen wäre. Das hatte etwas mit der Marktdurchdringung der entsprechenden Abspielhardware zu tun. Es wäre einfach nicht kostendeckend gewesen, aber jetzt wo das Format etabliert ist, funktioniert das. Es funktioniert sogar sehr gut und diese Sache erlaubt es uns z.B. ganz tief in den Archiven zu wühlen. Wir haben eine wunderbare Verpackung und, ja, Sie haben recht, es gibt eine Beschränkung, was die Zielgruppe angeht. Wir haben vor Produktionsbeginn untersucht, wer daran interessiert wäre, eine Season 1, 2 oder 3 Box zu kaufen. Solange das funktioniert, werden wir damit auch weitermachen. Zu erwähnen wären hier noch die "Buffy" Boxen, die ebenfalls sehr gut bei den Zuschauern ankommen. Zur Zeit arbeiten wir an der "Simpsons" Season 1 Box, die diesen Winter erscheinen wird.

DM: Auf dem Weg zu Ihnen habe ich mir überlegt, ob Sie mir wohl etwas dazu erzählen können, ob "Star Wars: Episode One" zu erwarten ist. Nun habe ich die entsprechende Meldung vorliegen, dass "Star Wars: Episode One" diesen Winter erscheint. Wie sieht es mit den originalen Teilen aus? Gibt es seitens George Lucas Planungen, "Star Wars" Teil 4 bis 6 zu veröffentlichen?

Cantos: Uns liegen derzeit keine Informationen über eine mögliche DVD Veröffentlichung von "Episode" 4-6 vor. Dies ist eine Entscheidung, die George Lucas treffen wird. Er hat uns verraten, dass es keine direkten Pläne gibt, die "Classic Trilogy" in naher Zukunft auf DVD zu veröffentlichen.


DM: Wieviel Einfluss haben eigentlich Regisseure wie George Lucas oder James Cameron auf die Veröffentlichung und Gestaltung der DVD?

Cantos: Wir räumen den Regisseuren soviel Mitspracherecht ein, wie sie haben möchten. David Fincher, der Regisseur von "Fight Club", hatte eine komplette Visualisierung im Kopf, wie die Disc aussehen sollte. David Prior, der Produzent der DVD, hat wirklich sehr eng mit David Fincher zusammengearbeitet. Es war uns ein Vergnügen, so eng mit einem Regisseur involviert zu sein. Aber das hängt sehr stark vom jeweiligen Regisseur ab. Wir denken, dass wir ein viel aufregenderes Produkt herstellen können, wenn der Regisseur mitmacht. Das macht zwar mehr Arbeit, aber man erhält ein Produkt, das wesentlich mehr "Seele" hat. Soweit es also geht, beziehen wir die Macher mit ein. Das klappt leider nicht immer, weil der Regisseur manchmal schon wieder an völlig anderen Dingen arbeitet.



DM: Können Sie uns zum Abschluss noch ein paar wirklich geheime Termine von geplanten Titeln verraten?

Cantos: [lacht] Das mit "Star Wars" und den "Simpsons" wissen Sie ja nun schon. Aber es wird ein Drei-Disc-Set von "Cleopatra" geben, das eine erweiterte Fassung des Films enthält. Und die "Akte X" Reihe wird natürlich fortgesetzt.

DM: Herr Cantos, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Interview: Christian Bartsch
Fotos: Ingo Clemens