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15.03.2001 - Rubrik: spezial 
Interview mit Smudo (Fanta4)
  

Die ”Unplugged” DVD der Fantastischen Vier ist endlich da. Grund genug, einmal hinter die Kulissen zu blicken. Digital-Movie Redakteur Frank Barlage traf Michael B. “Smudo” Schmidt und sprach exklusiv mit dem Fanta 4 Mitglied und Co-Produzenten der DVD über Konzeption und Umsetzung.

 
DM:
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Unplugged-DVD zu machen?
 
Smudo:
Selber kamen wir nicht so richtig drauf, aber natürlich stand es 

im  Raum. Während  der  Produktion  konnte man  so  ein, zwei Sachen vorher schon  erledigen, die man im Falle einer DVD benutzen könnte, zum Beispiel eine Kamera mehr hinstellen - zum Aufzeichnen für ein bißchen mehr Filmmaterial. Aber beispielsweise echte 5.1 – Soundabnahme ist viel zu teuer und es gibt viel zu wenig Fachkräfte dafür, das würde sich nicht lohnen. Man müßte das sowieso per Remastering machen.
 
Eigentlich wollten wir das (die DVD, Anm. d. Red.) nicht machen, denn das kostet Geld, der Markt ist klein und man sollte davon ausgehen dass man nicht mehr als 5000 Stück verkauft. Da bleibt nicht viel bei hängen, und dementsprechend wenig kann man damit finanzieren, also haben wir es erstmal nicht geplant. Aber kaum war das Unplugged fertig und wir sind damit auf Promotion gegangen, haben Leute in den Interviews oder die Fans per Mail ständig gefragt: “Wann gibt’s denn endlich die DVD dazu?” Es war im Prinzip die Erwartungshaltung.
 
Prinzipiell sind wir ja eigentlich Musiker und keine DVD-Produzenten - darum hab ich mich darum gekümmert und wir haben uns mit vielen DVD-Produktionsfirmen getroffen und Kostenvoranschläge, Konzepte machen lassen. Wir hatten eine eMail-Adresse eingerichtet und über den Newsletter bekannt gemacht, damit Fans Vorschläge machen konnten.
 
Ein Vorschlag der unter anderem umgesetzt wurde war der Screensaver. Wenn man die DVD im Player läßt, kommt nach ein paar Minuten “son Geschwurbel, son Screensaver”. War eben eine lustige Idee von einem Fan.

DM: Denkst Du, dass sich die DVD als Datenträger für Musik durchsetzt?

Smudo: Oh, gute Frage. Die CD war damals das einzige vernünftige Mittel gegen Tapecopy, und die DVD könnte ein gutes Mittel sein gegen CD-Copy. Weil es noch keine Neunerbrenner gibt (ein Gerät, mit dem man DVD9 brennen könnte, Anm. d. Red.) und wenn es sie gibt, werden sie erstmal sehr teuer sein und ähnlich wie bei den CD-Brennern wird es eine Zeit dauern, bis sie so erschwinglich werden, dass es wieder anfängt ein massives Problem zu werden. Aber es ist für mich im Moment noch unvorstellbar, dass man an so neue teure Geräte kommt. Ich weiß es nicht.
 
Zurück zur Frage. Es kommt da zum Beispiel drauf an, ob es für den Klassikmarkt ein Ding ist. Bei vielen HiFi-Neueinführungen war Klassik immer ein bißchen der Katalysator, weil Klassikfans gesagt haben: “Ich will nicht mehr dieses blöde Vinyl! ich will jetzt diese CD, Hifi!” Und jetzt können sie sagen: “Ich will jetzt 5.1–Remastering von meinen Lieblingstiteln oder sogar noch besser komplette Aufnahmen.”
 
Könnte sein. Ob die DVD die CD mal ablösen wird? Auf Dauer vermutlich schon, aber wie lang das dauert vermag ich nicht zu schätzen.
 

DM: Was hältst du in diesem Zusammenhang von der SACD?

Smudo: Ist das 5.1 auf CD? Ich hab mal von was gehört was im Prinzip ne Audio-CD ist mit 5.1 Mischung drauf, vielleicht ist es das. (Richtig J, Anm. d. Red.) Ich hab davon nur gehört und weiß, dass die “Guano Apes” ihr Album auch mal remastern lassen haben. Ob das erschienen ist, weiß ich allerdings nicht (Ist es: DM Review, Anm. d. Red.). Es bleibt halt die Frage ob man diese Nachfrage triggern kann, und dafür müßte es vielleicht über die Klassikleute laufen.

DM: Bist Du mit dem Ergebnis der DVD zufrieden?


Smudo: Oh ja, das bin ich allerdings. Mehr als das. Das war die erste DVD die ich coproduziert habe und es war ne ganze Menge Arbeit. Viele Sachen, die auf so eine DVD sollten, macht man ja nicht im Vorfeld. Du nimmst ja nicht ab dem ersten Tag, ab dem Du Proben hast, ein Kamerateam mit. So in der Hoffnung, dass man da nachher einen dreiminütigen Beitrag draus machen kann. Das lohnt sich ja nicht. Du mußt also Reste verwerten. Und wenn man bedenkt, dass wir mit dem Budget ziemlich kurz waren und viele Sachen auch selber gemacht haben, ist eigentlich alles drin, was vom vorhandenen Material rein konnte.

Es gibt einen Nachteil, der leider passiert ist. Und zwar sollte man den durchgehenden zweiten Kamerawinkel mit einer Angle – Taste, während man den ersten anschaut, immer hin- und herschalten können. Das haben wir auch ursprünglich so gehabt, aber das kollidierte dann mit dem Plugged - Modus.
 
Der Plugged - Modus bedeutet, dass während die DVD läuft gelegentlich am oberen rechten Bildrand kleine Symbole erscheinen, wo man dann die Selecttaste auf der Fernbedienung drücken muß. Dann bleibt der Film stehen und es erscheint ne Informationstafel zu den jeweiligen Sachen. Zum Beispiel Thomas sein Tatoo kann man sehen, dann wird ein Foto vom Tatookünstler gezeigt und wie lange das in welchem Zeitraum wann gestochen worden ist. Oder die Balver Höhle, wie sie erscheint. Sie ist soundsoviele Millionen Jahre alt.... so ein bißchen wie dieses Popup - Video, nur von der Information her, nicht von der Animation.
 
In der Umgebungssoftware, in der man das alles programmiert, lief das alles wunderbar. Nachdem es ja keine Neunerbrenner gibt, konnte man natürlich keine Neuner - DVD ohne weiteres zu Testzwecken brennen. Eine Neuner - DVD ist ja doppelt beschichtet, auf die passen 8,5 GB. Das bedeutet die DVD hat zwei Etagen, die der Laser einmal oben einmal unten abliest. Im Gegensatz zu den DVD’s der ersten Generation, den Fünfer - DVD’s. Die sind nur einfach beschichtet, passt also nur die Hälfte drauf. Jetzt haben wir einen zweiten Kamerawinkel zusätzlich zum ersten, die beide von einem 90-Minuten-Konzert schon 180 Minuten Platz belegen. Plus jeweils 20 Minuten der drei Beiträge macht nochmal 60 Minuten, also schon 240.
 
Das bedeutet man kann es nur in der Umgebungssoftware testen. Und diese Umgebungssoftware ist nach diesen Standards der DVD - Programmierung (plötzlicher Gedankensprung, Anm. d. Red.) Programmierung ist wirklich schmeichelhaft für die limitierten Möglichkeiten, das ist nichts anderes als eine Menüskriptsprache. Fürchterlich! HTML dagegen ist Pascal, objektorientiertes C im Gegensatz zu dem Schrott, in dem diese DVDs zu programmieren sind. 
 
Und dann geht man ins Presswerk und läßt mal son Dutzend machen. Man muß da eigentlich schon fertig sein, aber man hat noch ein paar Tage Zeit um Fehler zu entdecken. Und dann haben wir entdeckt, dass die meisten DVD-Player, obwohl sie nach ner Spezifikation gebaut sind, einen Fehler haben. Der tritt auf, wenn man den Plugged - Modus und den zweiten Kamerawinkel umschaltbar macht. Dann kommt dieses Symbol, meinetwegen das dritte Symbol auf dem Zeitstrahl dieses gesamten Filmes, ich schau mir die Informationstafel an, geh zurück und dann springt der im Film zum vorherigen Symbol zurück, und das ist scheiße.
Also mußten wir das leider so machen, dass man den zweiten Kamerawinkel nicht mehr über die Angle-Taste bedient, sondern im Menü am Anfang anwählen muß. Das ist ein bißchen doof, aber es ist die einzige Chance gewesen.
 
Die Programmierer haben mir noch gesagt, dass man in vielerlei Beziehung merkt, dass es sich um eine Technik der ersten Generation handelt, in der Interaktivität. Das ist das einzige was ich schade finde, dass es nicht gelungen ist.
 
Das Besondere an dieser DVD ist außerdem dass sie rot ist, es ist die erste farbige DVD der Welt. Die Sony hat noch bis zum 10. Januar mit den doppelt beschichteten experimentiert und am 14. Januar ist das Ding in Pressung gegangen. Das war sehr knapp.

DM: Was ja bei Audio-CD’s kein Problem ist....

Smudo: Die limitierte Auflage der ersten 100.000 Unplugged – CDs ist ja auch rot und in einer Pappschachtel wegen dem Unplugged - Gedanken, daher kam auch die Idee, das DVD – Design in schwarz und rot zu machen. Die DVDs haben ja auch keine Sonderverpackung, das heißt du mußt mit diesem schwarzen “Discount-Trail” ne schöne Verpackung machen. Eine DVD ist ja wertiger als eine CD – “kostet mehr Geld, ist das schickere, das gönn ich mir jetzt mal”, sagt man sich. Und dann ist das so eine Standardscheiße, und deshalb dachte ich, da muss ich alle Register ziehen damit das cool aussieht. Und da gehört eben auch die rote Farbe dazu.

DM: Hast du eigentlich Lieblings-DVDs?

Smudo: Ich hab zwar sehr viele DVDs, aber hab mich bis zum Thema selbst coproduzieren nicht sehr viel mit dem Thema beschäftigt. Ich bin da nich so verliebt drin, und find zum Beispiel die Covers oder so eher uninteressant. Ich hab mich erst mal, anläßlich der Fanta4-Produktion, in den Laden gestellt und mir alle Musik - DVDs angeschaut und geguckt, wie die Verpackung aussieht und war eher enttäuscht. Und die Extras guck ich mir auch nich so sehr an. Zum Beispiel den preisgekrönten “White Rabbit” - Mode auf der Matrix-DVD hab ich nie ausprobiert. Ich schau mir gerne mal so Behind-the-Scenes an und Bonus-Filmmaterial oder Interviews, aber alles andere find ich persönlich lästige Spielerei. Musste aber feststellen, dass ich da eher Ausnahme bin. Die meisten Leute empfinden das als ein Qualitätsmerkmal einer DVD.
 
Beispiel: Dieser ROM-Part, der in einem DVD-fähigen Laufwerk abgespielt werden kann - mit Diskographie und SchnickSchnack und einem kleinen Minimischer, mit dem man einen Song mixen kann. Das war sehr schwierig, Du kannst natürlich einen Mischer machen, dann sollte man das aufzeichnen und exportieren können (den Mix), dann kann man noch einn Forum machen im Internet....... und dann frag mal was der Programmierer dafür haben will [lacht].
 
“Die Ärzte” – DVD: nur mal so als Beispiel, für die Größenordnung was das Geld angeht, ich musste das ja auch erst alles lernen. Die erste DVD hat sie 100.000 Mark gekostet, und das ist echt sehr viel Geld und sie hat mit 10.000 Verkäufen absoluten Spitzenstatus für eine bundesdeutsche DVD, die du halt nicht weltweit vermarkten kannst. Da steht ja kein Millionenmarkt dahinter, wie bei einem Kinofilm, den du auf der ganzen Welt vermarkten kannst. Und da hast du ja auch die vielen verschiedenen Verleiherfirmen im Hintergrund, die in ihren eigenen Ländern so eine Vermarktung vorschießen können.
 
Jetzt kann ich mit 100.000 Mark nichts anfangen, weil das einfach viel zuviel Geld ist. Die Unplugged – Produktion an sich war schon so teuer, dass sie nur mit 150.000 Audio – CDs auf Null zu bringen war.
 
Es gab eine Firma, die 100.000 Mark wollte, dann haben wir gesagt, wir lassen den ROM – Part weg, der alleine kostet schon 20.000 DM extra. Dann war das immer noch zu teuer, darum hab ich auch viel Arbeit selbst übernommen. Ich hab Schnittlisten gemacht von den Extras. Das heißt, ich hab das Rohmaterial angeschaut aus dem die Making – Ofs gemacht worden sind und daraus Schnittlisten gemacht. Sowas kostet richtig Geld, weil jemand, der sich mit dieser Arbeit beschäftigt, erst mal drei Tage im Studio sitzt. Alleine dafür wirst du schon 15.000 DM los. Kannste vergessen, also machst Du es lieber selber. 
 
Dann hab ich mit den Leuten in Stuttgart zusammengearbeitet, die auch sehr ambitioniert waren und nicht so sehr auf ihren Gewinn geschaut haben. Da planen wir den ROM – Part und die erzählen mir, dass das Zeit kostet, einen Mann kostet, der das programmiert und dann hab ich gesagt, lassen wir es weg, das guckt doch eh keiner an.
 
Und dann erfahre ich, dass der Matrix – DVD ROM – Part, der auch mäßig ist, 250.000$ in der Produktion gekostet hat. [lacht] Für etwas, das sich kaum einer anguckt, einfach eine Viertel Million Dollar auf den Kopf hauen, mein lieber Mann. Also das ist echt ein schmaler Grat, und deshalb überlegt man sich das dreimal, ob man das macht. Zumal man da ja auch erst keine Ahnung hat, von Musik versteh ich was, da hab ich eine entsprechende Erfahrung. Das war echt Neuland für mich. Aber ich bin ja neugierig und es hat mir sehr viel Spass gemacht und ich glaub jetzt echt, dass ich damit erstmal automatisch der Fachmann für dieses Thema bin [lacht]. 
 
Und auch unter diesen Gesichtspunkten bin ich sehr stolz darauf, weil uns die DVD 50.000 Mark gekostet hat. Wir haben bis jetzt 3000 verkauft und ich hoffe, dass wir die Schallmauer 10.000 durchbrechen. Es ist realistisch bei sechs- bis siebentausend stehenzubleiben, und 10.000 Verkäufe würden das ganze auf Null rechnen.
 
Der Manager von den Ärzten hat gesagt, da verdienen die lang nix dran [lacht]. Aber das is auch ein ganz anderes Ding, die Ärzte haben eine viel fanutensiliengeilere Fanbase als wir. Und es ist ja auch eine Best – Of, da sind viele extraproduzierte Sachen drauf, und unsere ist ja “nur” das Unplugged – Konzert und das “Außenrum”. Aber “Die Ärzte” umfasst viele Alben und Videos, so was wollen wir eventuell auch noch dieses Jahr machen.
 
Ich finde das ist auch ne gute Lösung, um das Greatest Hits – Problem zu umgehn, das eine Band im Laufe der Jahre immer wieder verfolgt. Dafür würde dann natürlich auch ein größeres Budget zur Verfügung stehen, weil man so etwas über Jahre im Laden stehn haben kann.

DM: Vielen Dank für dieses Gespräch.