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Rubrik: Bild 
Interlacing: Bildaufbau aus Halbbildern
von Christian Bartsch
  

Es gibt kaum eine Technik, die von Heimkino-Freunden so vehement gehasst wird, wie die Halbbildtechnik, auch Interlacing genannt. Dabei spricht zunächst nichts gegen diese Erfindung, machte sie doch Fernsehen überhaupt erst möglich. Doch warum ist Interlacing heute so unbeliebt und warum kann man nicht einfach auf Vollbilder umstellen?

Kinofilm wird mit 24 Bildern pro Sekunde belichtet. Daraus resultiert eine Bewegungsauflösung von 24 Fps. Diese können jedoch nicht so wiedergegeben werden, da der Mensch bei einer Bildwechselfrequenz von 24 Fps ein deutliches Flackern wahrnimmt. Zu diesem Zweck wurde die Umlaufblende erfunden, die jedes Bild bei der Wiedergabe einmal abdeckt. Somit sieht der Zuschauer auf der Leinwand 48 Bilder (48 Hz), obwohl von der Bewegungsauflösung her nur 24 Bilder gezeigt werden. Dabei sind immer zwei aufeinander folgende Bilder vom Inhalt her identisch.

Fernsehen wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. Es war klar, dass man ebenfalls mit ca. 50 Bildern würde arbeiten müssen, um ein störendes Flackern zu unterbinden. Der Effekt ist bei einer Kathodenstrahlröhre sogar noch stärker, weil der Bildaufbau zeilenweise und nicht, wie im Kino, auf einmal erfolgt. Rein technisch waren aber 50 Bilder bei voller Auflösung (bei PAL sind das während der Übertragung 625 Zeilen mit 786 Pixeln, jedoch sind nur 576 dieser Zeilen sichtbar) einfach nicht machbar. Es war allerdings nicht möglich, nur 25 Bilder zu übertragen und dann zu verdoppeln. Anders als im Kino liegt dem Fernseher ja das Bild nicht auf einen Stück Film vor, sondern müsste zwischengespeichert werden. Dies ist jedoch mit Analogtechnik ein sehr aufwändiges Unterfangen und, kurz ausgedrückt, für Consumer-Technik in den 1930er Jahren schlichtweg viel zu teuer.

Man griff daher in die Trickkiste und machte aus 25 Vollbildern 50 Halbbilder. Wie das geht? Ganz einfach! Ein Bild hat wie schon erwähnt 576 Zeilen, nimmt man davon die Hälfte, bleiben nur 288 übrig. Das wäre aber begrenzt sinnvoll, würde man die ersten 288 oder die letzten 288 Zeilen nehmen. Stattdessen nimmt man immer abwechselnd alle ungeraden und dann alle geraden Zeilen. Bei der Wiedergabe lässt man dann jede zweite Zeile leer, sonst würde das Bild ja gestaucht. Außerdem werden die Zeilen, die man in der ersten 1/50 Sekunde nicht zeigt, ja in der kommenden 1/50 Sekunde gezeigt.

D.h. man zeigt prinzipiell immer abwechselnd ungerade und dann gerade Zeilen. Das wäre jetzt nicht weiter problematisch, allerdings konnten die ersten Videokameras kein Bild speichern, so dass die zweiten 288 Zeilen nicht von der gleichen Aufnahme stammen, sondern eine neue Aufnahme darstellen. Das wäre immer noch nicht problematisch, würde sich das Bild vor der Kamera nicht bewegen. Wird aber z.B. ein durch das Bild von links nach rechts rollender Ball gezeigt, so ist dieser in der zweiten Aufnahme (den geraden 288 Zeilen der Bildes und demnach im zweiten Halbbild) weiter rechts. Eine so hergestellte Aufnahme (aus der Not machte man eine Tugend und verkaufte die Technik mit dem Vorteil der besseren Bewegungsauflösung) ist auf einem Gerät, dass mit Halbbildern wiedergibt (und das ist jeder normale Fernseher) eigentlich schön anzusehen. Bei Sport ergibt sich wirklich der Vorteil, dass schnelle Bewegungen feiner aufgelöst werden. Zwar zerreißen diese in Wirklichkeit horizontal, das aber bekommt der Zuschauer gar nicht mit - das Phosphor der Bildröhre ist zu träge.

Was passiert jedoch, wenn man ein Bild, das aus Halbbildern besteht, auf einem Gerät wiedergibt, das mit ganzen Bildern arbeitet? Jeder moderne 100 Hz TV kann das, und Plasma und LCD arbeiten von Hause aus in der Regel im Vollbildmodus. Wird auf einem solchen Gerät ein Bild wiedergegeben, bei dem das zweite Halbbild (die geraden 288 Zeilen) später aufgezeichnet wurde, so zerreißt die Bildinformation horizontal. Es ist also nicht einfach so möglich, ein Signal, das mit Halbbildern aufgezeichnet wurde, als Vollbild auszugeben. Generell existieren bei den bekannten TV-Systemen PAL und NTSC solche Vollbilder gar nicht, sie entstehen nur rechnerisch auf dem Papier. PAL und NTSC verarbeiten ausschließlich Halbbilder.

Aber wie kommt nun der Film in Vollbildern, was man auch progressiv nennt, auf die DVD? Gar nicht - zumindest nicht technisch. Die DVD unterstützt ebenfalls nur die Speicherung in Halbbildern, was jedoch nicht tragisch ist. Schließlich kommen bei progressiven Quellen (z.B. Kinofilm, aber auch moderne Camcorder mit Progressive-Mode) beide Halbbilder vom gleichen Quellbild. Anders ausgedrückt: es werden zwar die ungeraden und gerade Zeilen weiterhin getrennt gespeichert. Gibt man jedoch ein solches Signal auf einem Gerät mit Vollbild-Wiedergabe aus, so kann man einfach die geraden und ungeraden Zeilen zusammenfügen und gleichzeitig ausgeben. Daher ist es prinzipiell auch nicht schlimm, wenn nun bei HD-DVD oder Blu-ray bei einem Film nur 1080i am Gerät ausgegeben werden - diese Halbbilder können im Display oder durch einen vorgeschalteten Scaler wieder kombiniert werden.

Aber: Quellen, die wirklich Halbbilder haben, lassen sich nicht so einfach in Vollbildern wiedergeben. Dafür wird ein sogenannter Scaler (auch Linedoubler oder Deinterlacer genannt) benutzt. Er versucht durch Wahl des richtigen Deinterlace-Modus das Bild so gut es geht wieder zu kombinieren. Dies kann, muss aber nicht gelingen. Denn jede zweite Zeile kommt von einer zeitlich späteren Aufnahme, und es kann sein, dass sich bestimmte Objekte einfach sehr stark bewegt haben. Es ist wichtig zu wissen, dass ein Scaler, so teuer er auch sein mag, die zum Vollbild fehlenden Zeilen nicht mathematisch ableiten kann. Er kann nur raten bzw. durch statistische Auswertung versuchen, das Original zu rekonstruieren. Ob das gelingt, hängt vom Bildmaterial ab.

  
   

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